Mit den genannten Aspekten im Hinterkopf wollen wir nun den Vorhang zurückziehen und die Welt und ihre Völker präsentieren. Sie ist ein Ort voller großer Gefahren und weniger flackernder Lichter, die sich gegen eine Flut der Dunkelheit stellen, die das ganze Land in einem neuen Zeitalter des Schreckens und der Barbarei zu ertränken droht. Mythgart ist ein Ort, der Hilfe benötigt, ein Ort an dem wenige tapfere Herzen das Blatt wenden können oder einige schlechte Entscheidungen ein Königreich oder ein ganzes Imperium in den Untergang treiben können. Beginnen wir am Anfang, bei der Erschaffung der Welt, wie es von mehreren der großen Völker erzählt wird, von den Drachen, den Riesen, den Zwergen, den Elfen und den Menschen.
Alle Völker sind sich darüber einig, dass die Welt flach ist, mit einer einzigen Sonne, einem Hauptmond und sechs Planeten. Darüber hinaus sind die Details über Mythgarts Ursprünge in Geheimnisse gehüllt. So gut wie alle Götter, Riesen und andere Mächte behaupten, die Welt erschaffen zu haben. Einige von ihnen müssen folglich lügen, und wahrscheinlich lügen sie alle. Die am häufigsten erzählte Geschichte ist die der Nordländer, die besagt, dass es am Anfang, bevor Mythgart erschaffen wurde, nur eine endlose Leere gab, die Ginnungagap genannt wurde. An einem Ende dieses gewaltigen Abgrunds herrschte beißende Kälte, am anderen loderte ein Feuer. Wie wurde aus dieser Leere die Welt? Das ist eine Frage der Theologie, der arkanen Betrachtungen und bardischen Mysterien.
Aus der Leere kamen die Drachen
Die Drachen behaupten, dass sie alle direkt von den Sternen abstammen und dass ihre Schwingen sie (und ihre liebsten Diener) einst durch die endlose Dunkelheit zu den steinernen Reichen aus Eisen, Gold und Eis trugen. Durch ihr Lied, die endlosen Anstrengungen von Blutmagiern und die Schnitzerein der Erddrachen verbanden die Anhänger von Khespotan genug Berge miteinander, um eine kleine Welt zu erschaffen, die von Veles regiert wurde, dem Vater der Leere, und seinen Dienern, den wahren Drachen. Im Lauf der Zeit haben die anderen Völker vergessen, dass die Welt ein Werk von Veles und Khespotan war, ein Werk voller Eisen und Blut, vereint mit Feuer, Luft und Wasser, und dass die Welt von Mythgart schon immer als Ort gedacht war, an dem Drachen nisten, ihre Horte bewachen und über die niederen Völker regieren konnten. Doch wie jeder Narr, egal ob mit Schuppen bewehrt oder nicht, sehen kann, gehören alles Gold und alle Juwelen rechtmäßig den Drachen und ihren Vettern, denn sie rissen die Reichtümer aus der Leere und banden sie an die Welt.
Gleichwohl behaupten die Drachen auch, dass die Welt wieder und wieder in Feuer und Zerstörung endet und stärker und schuppiger wiedergeboren wird. Wenn die Zeit naht, werden die Drachenfiguren auf den Langschiffen zum Leben erwachen und Veles lobpreisen.
Die Statuen von Khespotan werden sich regen und die letzten Prophezeiungen sprechen, und überall werden die wahren Drachen den Ruf ausstoßen, sich zu erheben und zu dienen! Wie genau die Welt nach einer solchen Vernichtung wiedergeboren wird, ist umstritten, doch die zahlreichen Drachenkinder sind sich einig, dass es zu ihren Gunsten sein wird. Eine Endzeit ist immer nah, und eine Wiedergeburt immer hinter dem nächsten Sonnenaufang, denn die Welt wurde von, für und unter den Klauen der Drachen geschaffen und alle anderen Völker sind nur fahle Abbilder des wahren Volks.
Leeresprecher
Die Leeresprecher werden oft von ihrer Nähe zur Macht verzerrt oder in den Wahnsinn getrieben und doch sind sie in ihren dunklen Überzeugungen vereint. Leeresprecher teilen eine gemeinsame Sprache, die die Sprache der Drachen am Anbeginn der Zeit sein soll (siehe „Leeresprache“, Seite 231).
Die Erschaffung der Riesen aus Blut und Knochen
Riesen erzählen eine andere Geschichte von den frühen Zeitaltern. Das Leben erwuchs in der Mitte der Leere, wo Raureif auf Feuer traf, schmolz und brodelte. Dies war Aurgelmir, der erste und größte Riese, aus dessen Körper die Erde und der Himmel erschaffen wurden.
Kreaturen wuchsen aus Aurgelmir wie Zweige auf einer Eiche, darunter die ersten Riesen und die Ältesten der Götter, die auf dem Rücken von Drachen gegen die Riesen kämpften. Die beiden Gruppen führten Krieg und als sich Aurgelmir auf die Seite der Riesen stellte, erschlugen ihn die Götter.
Die Riesen haben diesen Mord niemals vergessen. Seit diesem Tag hegen sie einen Groll und hoffen, eines Tages das Ende der Herrschaft der Götter zu sehen und ihren Ahn rächen zu können. Loki ist immer bereit, sie an die Kränkung zu erinnern, und Boreas flüstert vom Ruhm der Schlacht. Die meisten dunklen Götter empfinden den Groll der Riesen bis zum heutigen Tag als praktisch. Die Götter fertigten in der Zwischenzeit die Welt aus Aurgelmirs Leichnam. Seine Knochen wurden die Erde, und sein Blut floss herab, um die Flüsse und Seen zu füllen. Aus seinen Zähnen fertigten sie die Berge, und sein hohler Schädel wurde der Himmel. Als die Riesen durch das Zerteilen Aurgelmirs eingeschüchtert waren, erkundeten die Götter ihre neu erschaffene Welt und gerieten bald untereinander in Streit.
Die Götter der Natur und die Götter von Leidenschaft und Ruhm bildeten Fraktionen und kämpften um die Vorherrschaft über ihr neues Reich Mythgart. Die Schöpfung erbebte vor den Hieben, die sie austeilten. Schlussendlich handelte der verschlagene Wotan, der immer weise und siegreich war, einen Waffenstillstand aus. Die Götter tauschten Geiseln aus und es herrschte wieder Frieden. Kleinere Völker nahmen ihren Platz in der Welt ein, und die Götter schauten zu. Soweit es nach den Riesen geht, sind sie noch immer die wahren Erben der Welt und ihrer Schätze.
Aufstieg der Zwerge
Während des Wanenkrieg genannten Konflikts zwischen den Göttern erschufen der Schmiedegott Volund und der Donnergott Thor die Zwerge. Die Zwerge, Krieger, die auf einem Amboss aus Adamant geschmiedet worden waren, sollten die wilden Elfen von Dorn in der Schlacht besiegen, da sich diese gegen Wotans Armee auf die Seite der Riesen, Feen, der Wildnisgötter Freyr und Freya sowie anderen gestellt hatten.
Die Zwerge waren furchtlose Krieger und Riesentöter und vollbrachten große Taten im Namen ihrer Schutzherren. Legionen fielen ihren funkelnden Äxten zum Opfer, und die Zwerge wurden immer überheblicher. Sie hielten sich für das größte aller sterblichen Völker. Vielleicht war dies ihr Untergang.
Kein Sterblicher weiß genau, was das Zerreißen, wie die Zwerge den Sturz ihrer mächtigen Zivilisation des Nordens nennen, ausgelöst hat.
Viele glauben, dass die Zwerge begannen, Volund Thor vorzuziehen und sich mehr an Handwerkskunst als an Kriegsführung zu erfreuen. Dies erfüllte den Donnergott mit Zorn, und er schmetterte ihre Bergkönigreiche ins Meer. Andere behaupten, dass es Verrat von unter der Erde war, ein Bündnis der toten Seelen, die von zwergischen Äxten erschlagen worden waren, sowie der besiegten, doch rachsüchtigen Feenwesen, die in ihre Hallen eindrangen und sie von innen heraus zum Einsturz brachten. Frühe Schlächterzwerge behaupteten, die Elfen seien verantwortlich, und sie zogen sofort in den Krieg gegen ihre alten Feinde. Hain um Hain, Meile um blutige Meile, trieben sie die Elfen und ihre Verbündeten aus dem Norden. Die meisten flohen über das Meer in den Westen.
Jahrhunderte später, nach dem Fall des elfischen Imperiums (siehe unten), drängten die zwergischen Anhänger Volunds weiter nach Süden, wo sie sich in den Eisenklippenbergen niederließen und der Schmiedegott zu ihrer wichtigsten Gottheit wurde. Diejenigen Zwerge, die im Norden geblieben waren, blieben aber ihrer doppelten Abstammung treu. Sie sind noch immer wilde Krieger, Schlächter von Elfen, Riesen und Trollen. Ihre stolzen und rachsüchtigen Klans träumen für immer von einer Zeit, in der sie ihr gefallenes Reich wieder beanspruchen können.
Das Land der Gottkönige
Die Geschichten über die alten Nurier, die aufgeschrieben und an ihre Nachkommen weitergegeben wurden, machen deutlich, dass dieses älteste Königreich Mythgarts über 5.000 Jahre alt ist. Es begann an den Ufern des Flusses Nuria, wo sich sieben menschliche Familien am Ende einer langen Reise ansiedelten. Die Geschichten variieren dahingehend, dass sie vor einem uralten Bösen flüchteten, Opfer von einstürzenden mystischen Portalen geworden waren oder einem mystischen Vorzeichen folgten. Aber alle sind sich in einem Punkt einig: Als sich die Reisenden an einem Flussufer ausruhten, bemerkte ein Magier unter ihnen eine einzigartige arkane Energie im Wasser. Nachdem der Magier getrunken hatte, begriff er, dass er die örtlichen Ley-Linien berühren konnte, jene mystischen Ströme der Magie, die durch Mythgart flossen. Der Magier übernahm die Kontrolle über die sieben Familien und verkündete, dass der Fluss Nuria heißen sollte, was in der Muttersprache der Familien „leuchtend“ bedeutete. Er wies seinen neuen Kult an, eine Stadt am sandigen Ufer zu bauen.
Über eine lange Ahnenreihe hinweg experimentierten die Magierkönige und Zaubererköniginnen von Nurien mit LeyLinien und dem magischen Wasser des Flusses. Sie dehnten und verlängerten ihr Leben, bis sie eine Art Halbgöttlichkeit erringen konnten. Des Weiteren entwickelten sie die Rituale, die notwendig waren, um aus dem Schlaf des Todes zu erwachen, sollten ihre Nachkommen Unterstützung brauchen. Seitdem haben die Nurier regelmäßig ihre schlafenden Gottkönige und Gottköniginnen um Schutz angefleht. Zusammen mit den wichtigen Göttern des nurischen Pantheons beschützen diese uralten Herrscher ihr Königreich seit einer Zeit vor den Titanen, von den Tagen Ankeshels bis zum heutigen Tag.
Heute ist Nuria Natal eines der größten und gewiss eines der ältesten Königreiche der Südlande. Es erstarkte unter weiser Führung und wurde schwach in Zeiten von Narrheit und Niedergang. Aber es erhebt sich immer eine neue Dynastie, um sicherzustellen, dass das Vermächtnis der frühen Gottkönige niemals ganz verschwindet. Im Augenblick befindet sich Nuria Natal in einer solchen Zeit des Wachstums, doch hat es manche Ländereien, die es einst regierte, noch nicht wieder beansprucht, zum Beispiel Ishadia, Kush, Makuria und Siwal. Der aktuelle König Thutmoses XXIII. hat viel damit zu tun, die Drachen des Mharoti-Imperiums abzuwehren und die Beziehungen von Handel und Diplomatie mit Capleon und Kyprion zu stärken.
Aufstieg und Fall von Ankeshel
In der alten Zeit meisterten die Menschen Magie und Alchemie, Ingenieurskunst, Navigation und viele andere nützliche Künste. Sie waren Bürger von Ankesh, einer Insel im Westliche Ozean, die mit reichen Vorkommen an Kupfer, Eisen und Orichalkum gesegnet war. Diese Menschen erbauten große Städte, töteten Abolethen mit Vril-Gewehren und Blitzspeeren, reisten in fliegenden Kutschen und erbauten Orichalkum-Tempel aus glänzendem Gold. Es war ein Goldenes Zeitalter, das Jahrhunderte währte, vielleicht sogar tausend Jahre. Einige glauben, die Abolethen zerstörten am Ende die Inselnation. Andere sind de Ansicht, dass es andere Monster waren, Krakengezüchte, die strahlenden Kinder von Caelmarath, die titanischen Diener des Meeresgottes Nethos, oder die Ankunft der Sahuagin genannten Seeteufel, die die Mauern von Ankesh zum Einsturz brachten und seine Bewohner ins Meer trieben. Einige beschuldigen den monströsen Leviathan namens Isonade, der sich in einem späteren Zeitalter erhob, um die westlichen Länder zu vernichten.
Als Ankesh vor 3.000 Jahren fiel, ging aller Kontakt zur Insel verloren. Die Welt versank für Jahrhunderte in Barbarei. Die Küsten waren Orte voller Schrecken und wurden von den Weisen gemieden. Die Zwerge herrschten im Norden, Menschen und andere plagten sich auf dem Festland und Goblins, Gnolle, Ghule, Oger, Zentauren und andere brutale Völker gediehen. Als einziges menschliches Königreich von nennenswerter Größe und Macht verblieb Nuria Natal. Seine Dynastien waren zwar in Gefahr, wurden aber niemals gestürzt.
Anderswo hielten Häuptlinge und kleine Könige für eine Generation lang ihre Macht, fielen dann jedoch ins Chaos zurück und rangen gegen die Dunkelheit. Das Licht und das Wissen der Welt glimmten und erloschen.
Ankunft der Elfen
Vor ungefähr 2.200 Jahren kam die zweite große Nation der Elfen über mystische Straßen aus den Sommerlanden in die Außenbereiche des Arbonesse-Waldes. Im Gegensatz zu jenen, die gegen die Zwerge und Götter des Nordens gekämpft hatten, siedelten diese Elfen weiter im Süden, und ihre Magie und Bogenkunst wurden von mächtigen Banden der Magie, Eiden gegenüber ihren Feenkönigen und Feenköniginnen, und einer Begabung dafür, die Vasallentreue der anderen Völker zu sichern,
gestärkt. Diese valeranischen Elfen erbauten langsam ihr Imperium vom Westlichen Ozean bis zur Rubinsee, wo sie über Menschen, Gnome, Halblinge und andere regierten, die in den Elfen eine neue Hoffnung für die Zivilisation sahen. Ihre Städte waren groß, ihre Magie machtvoll und ihre Herrschaft über die anderen Lebewesen, die Kunst, die Magie und die schnellen Reise gaben ihnen einen großen Vorteil. Sie fegten über alle anderen Nationen hinweg und errichteten Städte in den Höhen und den Wäldern. Sie pflanzten die Samen des Weltenbaums überall und trieben die dunklen Schrecken weg von den Schattenstraßen, sodass diese zu strahlenden Durchgängen von einem Zufluchtsort zum anderen wurden. Die weiter entfernten Regionen waren durch Feenstraßen mit den elfischen Zentren der Zivilisation verbunden. Diese magischen Straßen verkürzten Reisen, die Wochen oder Monate dauern sollten, auf Tage oder sogar nur Stunden.
Die Elfen herrschten für einen Zeitraum von 1.300 Jahren über mindestens fünf Zentren der Kultur und imperialen Macht, von denen jedes einem König oder einer Königin entsprach: Zuerst im auf einer anderen Ebene verborgenen Flusshof von Arbonesse unter Kaiser Xindrical dem Entdecker, dann der östliche Knotenpunkt Sephaya auf der Rubinsee unter Königin Shillesh Grünsonne Sephaya, der Tochter von Yarila, und ihren Kindern, die die Sommergärten von Gennecka erbaut hatten. Das Imperium verweilte kurz am Hohen Hof von Liadmura in den Eisenklippen, wo der Adlerkaiser in einer Zeit der Eroberungen regierte. Das Imperium hatte dann die längste Zeit seinen Mittelpunkt in der großen Hauptstadt Dorn unter Hochkönigin Lelliana Dornbaum Endiamon und ihrer Tochter, der Schattenprinzessin Sarastra – Mutter der Blutlinien der Schattenfeen, die ins Exil im Schattenreich getrieben wurde. Als Dorn schließlich fiel, diente die südliche Metropole Valera als Hauptstadt.
Die Elfen hatten großen Einfluss auf die Menschen in den Magokratien von Caelmarath, besonders Allain, Bourgund und Vael Turog, die die arkanen Künste im elfischen Stil erlernten, ehe sie ihre eigenen entwickelten. Einige glauben, dass Parszan und der Margreve-Wald auch große elfische Enklaven enthielten, aber wenn dem so war, dann wissen wir heute nichts mehr darüber – nur eine gewisse Eleganz ihrer Türme, grüne, dröhnende LeyLinien und überwucherte Haine bezeugen, dass sie einige Zeit hier verbracht haben.
Die wenigen närrischen Nationen, die sich der Macht der Elfen widersetzten, wurden schnell durch eine Kombination der elfischen Waffenstärke (besondes ihrer schnellen Bogenschützen und leichter Kavallerie) und elfischer Magie (die, so sagt man, ganze Armeen bezaubern konnte) zur Strecke gebracht. Es gibt wenige Geschichten über diese Zeit, doch zeugen diese eindeutig von ihrer großen Achtung (manche sagen Schrecken vor) der elfischen Kriegsmaschinerie und dem „Opfer für Valeresh“, das elfische Armeen manchmal aus gegnerischen Offizieren und Generälen machten. Die Elfen löschten ganze Adelsfamilien, Offiziersränge und Könige aus, die sich gegen sie erhoben oder gegen sie rebellierten.
Die jungen Königreiche
Unter den Fittichen der Elfen erhoben sich vor ungefähr 1.800 Jahren verschiedene menschliche Magokratien und Königreiche. Jedes verfolgte seinen eigenen Weg außerhalb der Länder der Elfen. Zwar erinnert man sich noch an die meisten, doch nur wenige überlebten bis zum heutigen Tag.
Als die menschlichen Königreiche in den Außenbereichen der Länder der Elfen an Bedeutung gewannen, wurden sie in den Bergen und Ebenen, wo die Elfen nicht herrschen wollten, ebenfalls stärker, stolzer und wagemutiger. Die Geheimgesellschaften von Caelmarath und Vael Turog begannen als menschliche Gilden im Elfenimperium die sich nicht der elfischen Herrschaft unterstellt sahen. Auch wenn sie die elfische Autorität ablehnten, profitierten sie von deren arkanen Wissen und experimentierten mit Magie, die die Elfen als gefährlich betrachteten. Die Gesellschaften erschufen ihre eigenen Fürsten, Titel, Abgaben und Bündnisse. Die Elfen versuchten, sie zu unterwandern, doch es war schwierig, sie mit Argumenten oder Gewalt zu überzeugen.
Das Gebirgskönigreich von Morgau, das Wahlkönigreich von Krakova, das Große Königreich von Illyria und das Sonnenkönigreich von Cassilon wurden früh gegründet, so wie kleine Stadtstaaten wie Achillon und Zobeck. Cassilon krönte seinen ersten menschlichen König im Süden vor 1739 Jahren. Illyrische Blutlinien reichen 1.600 Jahre zurück, der Krakover Adel erbaute seine ersten Burgen und Throne vor 900 Jahren und Morgau wurde vor 800 Jahren besiedelt. All das am Rande der Wildnis, die von den Elfen nie erkundet oder entwickelt worden war. Diese traditionellen Königreiche erschufen Städte, Burgen und große Monumente in ihren Regionen der Welt. Die Elfen betrachteten diese Reiche als interessant, aber nicht bedrohlich. Morgau und Krakova kämpften um ihre Grenzen, doch die anderen menschlichen Königreiche waren damit beschäftigt, ihre Gebiete zu sichern. Cassilon schloss Freundschaft mit den Wüstenriesen und Sturmriesen und zusammen erbauten Menschen und Riesen gewaltige, zyklopische Festungen in den Pytonnebergen, aus Angst vor einem Eindringen der Elfen, zu dem es jedoch nie kam.
Das Mondkönigreich von Rohgazi, das von den Minotauren des Südens angeführt wurde, gedieh und gründete Kolonien überall am Mittelmeer bis nach Kyprion und Corremel und Capleon. Diese Siedlungen sind noch heute vom Glauben und den Bewohnern des Mondkönigreichs beeinflusst. Roshgazis Labyrinth war überall in der Welt berühmt und soll den Werken der Elfen gleichgekommen sein.
Das letzte der Jungen Königreiche war das Magdar-Königreich, das vor 732 Jahren von einem rothenischen Stamm menschlicher Reiter aus dem Osten bevölkert wurde. Die Reiter sahen die elfischen Türme von Sephaya und ihr König entschied, dass dies ein guter Ort sei, um Handel zu treiben. Die Magdar führten schon bald Krieg gegen Illyria und Morgau – und die Elfen achteten nicht wirklich darauf. Die Magdar erbauten überall auf der Ebene östlich der Eisenklippen Städte und ihre Könige waren weitaus mehr daran interessiert, Burgen zu errichten, als die Elfen zu umwerben. Auch wenn die Adelsfamilien der Magdar anfänglich Magie von den Elfen gelernt hatten, gaben sie ihr eine eigene Wendung.
Im Laufe der Zeit profitierten die Jungen Königreiche stark vom Handel und dem Wissen, das aus dem Westen kam, und sie brachten dem Elfenimperium großen Wohlstand durch ihre schiere Zahl und Fruchtbarkeit. Als sie stärker wurden, begannen einige Menschen damit, das ältere Volk abzulehnen, was zu „Elfenjagden“ und Gesetzen führte, die vorschrieben, wo Elfen in den Ländereien der Menschen leben und Handel treiben durften. Die beiden Völker duldeten einander immer weniger und die Zwerge standen daneben und lachten.
Revolte der schwarzen Zauberin
Vor ungefähr 800 Jahren rebellierten die Tieflinge und Menschen der Gesellschaft von Caelmarath gegen die Herrschaft der Elfen. Diese Erste Große Revolte wird oft die Revolte der Schwarzen Zauberin genannt, nach Malethea Stross, der Zauberin, die den Aufstand anführte. Die Elfen schlugen die Revolte brutal nieder, doch die Magier fuhren im Verborgenen fort. Sie beschworen unheilige Verbündete und verdarben die Feenstraßen. Sie nutzten dunkle Macht, um gegen den Widerstand der Elfen ihr eigenes Land einzunehmen. Durch arkana Katastrophen sowie die Grauensschreiter und Wahnsinn, brannte die Revolte innerhalb von 20 Jahren aus, aber nicht ehe die Menschen die Kontrolle über Maillon und Bourgund übernehmen und arkane Festungen in Vael Turog und Bemmea errichten konnten. Eine seltsame, weise Frau namens Baba Jaga, die im Osten schon lange bekannt gewesen war, bot der Rebellion ihre Dienste an. Sie beschwor über Nacht Mauern aus Wald, löste elfische Schutzzauber auf und entfesselte unzählige Dämonen.
Die Elfen wollten den Schaden begrenzen, doch die menschliche Bereitschaft, dunkle Mächte zu nutzen, zusammen mit der beträchtlichen Überzahl der Menschen, machten es für ein Imperium, das sich dünn vom Westlichen Ozean bis zur Rubinsee ausbreitete, schwer zu widerstehen. Die Elfen wurden schnell in einen hoffnungslosen Kampf verstrickt, der ihre verborgenen Ländereien zu verderben drohte. Die Elfen fürchteten eine menschliche Kontaminierung des elfischen Heimatlandes, und das aus gutem Grund. Dämonen, Teufel und Schrecken konnten mühelos die Feenstraßen beschreiten, wenn die Elfen nicht wachsam waren oder wenn sich ein Elf der Dunkelheit ergab.
Die Berichte aus dieser Zeit besagen, dass die Feenstraßen und die Elfenlande magisch korrumpiert wurden. Die Elfen, die zu Schattenfeen wurden, taten sich mit den dunklen Mächten zusammen, die die Magier von Caelmarath beschworen hatten.
Die Schattenfeen lehrten gewissen Familien von Menschen und Tieflingen noch mehr verkommene Magie, unter anderem Haus Stross, Haus Neckart und Haus Galbrion. Ihre grässlichen Dämonendiener waren die strahlenden Kinder von Caelmarath sowie die alten Grauensschreiter, deren Stärke anwuchs, als die Portale zwischen den Welten gestört und erweitert wurden. Auch wenn die Schattenfeen korrumpiert wurden, blieben doch die meisten Elfen auf der Seite des Lichts und sie empfanden die zunehmende Vermengung von magischen und sterblichen Reichen als widerwärtig und ekelhaft.
Der große Rückzug
Am Ende entschieden sich die Elfen, sich den Magiern von Caelmarath nicht auf ihrem höllischen Abstieg in immer größeren Wahnsinn anzuschließen. Die Elfenstraßen schlossen sich; die feenhafte Transportmethode verschwand plötzlich und die Legionen marschierten zum ersten Mal mit wehenden Bannern aus Dorn und Valera, um in weit entfernte Lande weit jenseits der Reichweite der Menschen zu gelangen. Jene, die glauben, dass die Elfen in den Krieg gezogen seien, sagen, dass sie eine große Schlacht im Jenseits gefochten hätten, um das Böse der Magier von Vael Turog, Haus Galbrion und der anderen Teufelsanbeter rückgängig zu machen. Andere glauben, dass die Elfen einfach eine weitere Beschwörung verhindert und die Grenzen der Elfenlande auf der anderen Seite von Mythgart erneuert haben.
Während des Großen Rückzugs vor 482 Jahren zogen sich die Elfen aus sterblichen Welt zurück und kehrten in die Elfenlande heim. Die Elfen haben ihre Entscheidung, die Welt zu verlassen, niemals erklärt, und wer sie dazu befragt, erhält keine Antwort. Sie verließen ihr Imperium innerhalb einer Woche und Häuser und Straßen standen gleichermaßen leer. Die elfischen Lieder verstummten, ihre Türme setzten Spinnweben an und die Elfen nahmen alles Tragbare aus ihren Höfen und Hallen mit.
Die Zwerge und Menschen übernahmen die leeren Reiche als neue Meister, aber die Hochzivilisation von Dorn, Valera, Liadmura und Sephaya war nicht mehr. Nur der Flusshof von Arbonesse blieb als elfisches Machtzentrum bestehen und riegelte sich nach außen ab. Die Elfengezeichneten wurden von ihren Eltern verlassen und mussten sich in einer jetzt feindlichen Welt alleine durchschlagen. Dienervölker wie Gnome und Halblinge waren zwar mit einem Mal frei von ihren Verpflichtungen, verloren jedoch auch den Schutz ihrer elfischen Gebieter. Die Gnome flohen aus den Hallen der Elfen, während die Halblinge in den kleinen menschlichen Reichen neue Meister oder zumindest neue Freunde fanden.
Den Völkern, die vor den Elfen das Knie gebeugt hatten, stand es plötzlich frei, sich um eigene Interessen zu kümmern, doch die ersten Jahre nach dem Rückzug führten zu einem Chaos aus Verwirrung und Veränderungen. Die Schlächterzwerge marschierten nach Süden durch Krakova, um die reichen Minen im Umland von Liadmura zu erobern. So entstanden die ersten Eisenklippenkantone. Ein neues menschliches Königreich entstand während dieser Zeit,; als der Gott Perun ein matriarchalisches Königreich nahe der Ruinen von Sephaya gründete.
Der Sieg von Caelmarath war absolut und hatte die Unabhängigkeit der Menschen und Freiheit von elfischer Einmischung errungen. Doch Caelmarath konnte die Mächte, die es entfesselt hatte, nicht kontrollieren und sein Ende nahte bald darauf. Die kriegerischen Magier konnten sich nicht einigen, wer sie angeführt hatte oder wessen Beschwörungen die größten gewesen waren, und sie begannen gegeinander zu kämpfen als der gemeinsame Feind nicht mehr war. Dieser Konflikt führte zu der Zeit, die die Großen Magierkriege genannt wurde (siehe Kapitel 8). Das Wüten der Grauensschreiter, das Versenken des westlichen Arbonesse durch Isonade und die unheimliche Verwüstung des Krieges veränderten die Landschaft des Westens für immer.
Aufstieg der Imperialen Drachen
Vor über 300 Jahren entschieden die Drachen aus den Drachenwindungsbergen, dass das Ausplündern von Dörfern ein unterhaltsamer Zeitvertreib war, doch dass das anschließende Eindringen von Menschen, Minotauren und Gnollen in ihr Gebiet langsam beunruhigend wurde. Sie entschieden, dass es an der Zeit war, ein eigenes Königreich zu gründen. Nach Jahren der Diskussion und Verhandlungen unter ihren Kindern, den Kobolden und den Drachenkindern, schlossen die Drachen einen Pakt, dass sie einem Menschen erlauben würden, zu herrschen und das Land zu verwalten, solange alle zehn Jahre den Drachen ein Zehnt sowie Tribute gezahlt wurden. Im Austausch schworen die Drachen, zusammen zu kämpfen, um jede Armee zu zerstören, die gegen sie aufmarschierte, oder an ihrer statt „Kinder von Drachenblut“ zu schicken – also Legionen von Kobolden und Drachenkindern.
Dies war die Gründung des Mharoti-Sultanats, in dem Menschen, Kobolde und Drachenkinder erfolgreich alle Ländereien der östlichen Elfen von Sephaya bis Nuria Natal einnahmen. Sie plünderten weitum, verlangten Tribute vom Rubindespoten und den Töchtern von Persun sowie von den südlichen Reichen von Gold und Salz. Sie nahmen große Teile des Landes ein, das einst das Königreich von Illyria gewesen war, und die weit östlich liegenden Reiche von Khandiria und Beldestan. Sie eroberten Lande nahe der Drachenwindungsberge und breiteten sich sogar jenseits von Nuria Natal aus, um zwei Küstenstädte der Minotauren zu zerstören, was die Zeit des sogenannten Mondkönigreichs beendete. Die Minotauren von Cindass siedelten in Capleon und Kyprion, doch in Roshgazi war die Verwüstung so verheerend, dass die Bewohner Zuflucht in weiter entfernten Gefilden suchten. Diese Roshgazi-Minotauren bestiegen eine große Flotte von Schiffen und segelten nach Westen und sie wurden nie wieder gesehen. Die Verlorene Flotte von Roshgazi bleibt eines der Geheimnisse des frühen Mharoti-Reichs. Der nurische Gegenangriff gegen die Mharoti-Eindringlinge an der Küste trieb das Drachenvolk zurück, was eine ihrer relativ wenigen Niederlagen darstellte.
Die Drachen lernten aus diesen Fehlern, doch gieren sie noch immer nach Gold. Aus diesem Grunde führt der Sultan oder die Sultanin jedes Jahr die Armeen aufs Schlachtfeld, um Gold und Silber zu finden und so den nächsten Tribut für die Drachen des Reichs zu sammeln, angeführt von Drachengenerälen. Von diesen Drachengenerälen gibt es mittlerweile mehr als 20 und jeder sieht sich als Gebieter von Erde und Himmel. Das Mharoti-Sultanat wächst wie ihre Zahl und seine Bewohner sind sich gewiss, dass es ihr Schicksal ist, die Erde zu regieren, wie es einst die Elfen taten. Ihre Gier ist groß und ihr Können hinsichtlich Kriegsführung und Eroberung scheint endlos.
Ein Fürst von Morgau
Vor 310 Jahren traf der Vampir Fürst Lucan in Morgau ein, schmeichelte sich beim König von Morgau ein und übernahm dann den Thron. Er infizierte dessen Blutlinie mit dem Untod und nahm den Glauben der Roten Göttin an. Nach seinem Aufstieg wurde er beinahe von den vereinten Armeen von Krakova, Doresh und dem Magdar-Königreich vom Thron gestoßen. Allerdings gaben seine untote Stärke und Ausdauer Fürst Lucan einen Vorteil, nämlich die Fähigkeit, wieder und wieder zurückzukehren und seine Feinde auf seine Seite zu ziehen. Des Weiteren schloss er ein zweites Bündnis, und zwar mit intelligenten und organisierten Ghulen. Der nächster Versuch, ihn vom Thron zu stoßen, war eine verheerende Niederlage. Morgaus Armee tötete (und verschlang) die besten krakovischen und magdarischen Adeligen auf dem Feld von Salesh.
Innerhalb von 50 Jahren eroberte Lucan Doresh, doch die Zwerge der Eisenklippen nahmen Grisal ein, ehe er dazu imstande war. Die untote Macht der Vampirfürsten und ihre Hingabe an die Rote Göttin machten sie extrem gefährlich, doch kämpften sie häufiger untereinander als gegen ihre Nachbarn. Als sie zahlreicher wurden, wurde es immer schwieriger für sie, ihre ghulischen Verbündeten zu ernähren. Das frisch eingenommene Krakova bleibt eine unsichere, doch sehr lukrative Eroberung. Sie sind von Feinden umzingelt: Baba Jaga, die Amazonen von Perunalia und die Könige der benachbarten Reiche haben ein Zweckbündnis gegen die Untoten geschlossen. König Lucan und seine untoten Horden sind nach wie vor gefährlich, doch letztlich beschränkt auf die Hügel und Wälder von Morgau und Doresh sowie die neu hinzugewommenen sanften Ebenen und Hügeln der Provinz Krakovar.
Rückkehr der Elfen
In den letzten Jahren sind die Schattenfeen, die Elfen von Arbonesse und die Elfen verschiedener anderer Höfe (siehe den Kasten „Tote Höfe und verlassene Ländereien“ auf Seite 27 ) unruhig geworden. Die Elfen haben sich häufiger in die Angelegenheiten von Menschen und Zwergen eingemischt als in den Jahrhunderten zuvor. Manches davon umfasst zwar die typischen Streiche der Schattenfeen an der Kreuzung, in der Nähe von Tintager und auf verschiedenen Abschnitten der Weißbergmarschen, doch andere Vorkommnisse sind schwieriger einzuschätzen oder zu erklären. Ein elfischer Ritter im vollen Prunk der Erwählten von Valeresh schloss sich einer Pilgerfahrt zum Sitz von Mavros an, flüsterte innige Gebete an das elfische Antlitz des Kriegsgottes – und streckte den einen Pilger nieder, der ihn zu unterbrechen versuchte. Verschiedene Magier aus Bemmea und Friula behaupten, dass elfische Arkanisten in ihre Bibliotheken gekommen seien, um Bücher voller staubigem Wissen zu suchen. Mindestens einige Gemeinschaften abenteuerlustiger, reizbarer Endeckter haben Ley-Linien-Knotenpunkte, Gegenstände und Wissen gesucht. Es hat den Anschein, als arbeiteten sie auf ein Ziel hin. Vielleicht hat es mit den Einmischungen der Schattenfeen zu tun, vielleicht mit der Sieche der Imperatrix, vielleicht mit dem apokalyptischen Geschwätz von Loki oder den Priestern der Drachengötter.
Die Elfen sind nicht bereit, über ihre Pläne zu besprechen, aber sie stellen einige Schreine ihrer Götter wieder her, pflanzen die Saat für neue Städte und rufen alte Diener zu sich. Bislang ist zwar nicht mehr passiert, als dass einige Kundschafter, neugierige Gelehrte und Weise herumschnüffeln. Die abergläubischeren Menschen und bärbeißigeren Zwerge behaupten jedoch, dass dies Vorzeichen einer neuen elfischen Invasion seien oder der Versuch, die Aktionen der Schattenfeen mit Gegenzügen durch die Sommerelfen von Solindera aufzuheben. Bisher gibt es manchen Leuten die Hoffnung auf ein neues Zeitalter des Friedens und beunruhigt andere, weil sie fürchten, die elfischen Ambitionen in Mythgart seien noch nicht vorbei.